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Memorial Karl Unterkircher

Zur Erinnerung an Karl Unterkircher – mit ihm ist ein großer Alpinist, ein „Cator d’Or“  von uns gegangen.

 

Karl Unterkircher war kein Schreihals, der seine Erfolge auf den Markt bringen musste. Er war eher ein ruhiger, ein umgänglicher Mensch. Er hatte Charisma, wie es nur wenige Alpinisten haben. Er war ein bescheidener Mensch, aber eine große Persönlichkeit.

 

Am 15. Juli dieses Jahres ist Karl Unterkircher bei einer Expedition auf den Nanga Parbat in Pakistan tödlich verunglückt. Zusammen mit seinen Bergkameraden Walter Nones und Simon Kehrer hatte er den Aufstieg über die Rakhiot-Eiswand ausgewählt, auf einer noch nie begangenen Route. Dabei stürzte er in 6400 Meter Höhe beim Suchen eines geeigneten Zeltplatzes in eine etwa 15 Meter tiefe Felsspalte. Simon Kehrer gelang es, in die Spalte  abzusteigen und den Körper seines Freundes teilweise aus den Schneemassen auszugraben. Doch er konnte nur noch den Tod feststellen. Am 27. August wäre Karl Unterkircher 38 Jahre alt geworden. Er hinterlässt seine Lebensgefährtin Silke und drei Kinder.

 

„Wir sind geboren und eines Tages werden wir sterben. Dazwischen liegt das Leben! Ich nenne es das Geheimnis, niemand von uns besitzt den Schlüssel dafür. Das Leben liegt in Gottes Hand…und wenn er uns ruft…dann müssen wir gehen.“ (Karl Unterkircher)

 

Von Karl strahlte die Ruhe großer Erfahrung aus und von ihr holte er auch die Kraft für seine bergsteigerischen Unternehmen. Sei es für rasante Tiefschneeabfahrten, für Eisklettern mit Nervenkitzel oder für Gipfelerfolge, die Geschichte schrieben. Karl absolvierte eine ganze Palette von Erstbesteigungen: 40 im Gebiet der Dolomiten und 32 4000er-Gipfel in den Alpen von den schwierigsten. Er bestieg in den Anden (Alpamayo, Quitaraiu, Aconcagua) und die höchsten Berge Patagoniens (Fitz Roy und Torri del Paine). Er wurde zum Ehrenbürger von Wolkenstein ernannt, er bekam den Verdienstorden der „Cavaliere Ordine al Merito della Reubblica Italiana“ und vier weitere Ehrungen. Das alles schon in jungem Alter. Es waren Symbole des Respekts vor seinen großen bergsteigerischen Leistungen.

 

„Das Faszinierende an den Bergabenteuern ist der Aufbruch ins Ungewisse. Man weiß nie, was kommt.“ (Karl Unterkircher)
 

Karl kletterte in Wänden des Himalayas, die noch kein Mensch vor ihm bestiegen hatte. Stets im traditionellen alpinen Stil, ohne Hilfe von zusätzlichem Sauerstoffs, ohne Hilfe von Sherpas. Nicht nur in Südtirol, sondern weltweit wurden Berichte darüber geschrieben.
Seinen größten Erfolg erzielte er im Jahr 2004, als er zum 50. Jubiläum der Erstbesteigung des K2 die Einladung bekam, den Mount Everest (8848 Meter) und den K2 (8611 Meter) zu erklettern. Er schaffte es in 63 Tagen und wurde ins „Guinness Buch der Rekorde“ aufgenommen.

Ab dann ging seine Karriere steil aufwärts. Mindestens eine Expedition im Jahr stand im Kalender. Allesamt waren sie Erstbesteigungen, meist auf den Nordwänden: 2005 der Jasemba (7350 Meter) in Nepal zusammen mit Hans Kammerlander und Lois Brugger, sie mussten wegen schlechten Wetters abbrechen. 2006 der Mount Genyen (6204 Meter) in Sichuan (China) zusammen mit Walter Nones,  Simon Kehrer, Gerold Moroder, Leonardo
Pagani, Hans Peter Karbon, Armin Widmann, eine von ihm organisierte Expedition. 2007 wieder der Jasemba, wieder zusmamen mit Hans Kammerlander, und diesmal waren sie erfolgreich. Nur zwei Monate später der Gasherbrum II (8035 Meter) zusammen mit Daniele Bernasconi und Michele Compagnoni, erstmals überschritten sie den Berg von China nach Pakistan.

 

„Angst ist ein ständiger Begleiter und sie ist auch wichtig. Nur ist es besser, wenn man sie für sich behält und sich nicht gegenseitig verrückt macht.“ (Karl Unterkircher)

 

Dann kam das Jahr 2008. Ursprünglich hatte Karl eine Expedition auf die Nordwand des Gasherbrum I (8068 Meter) geplant. Sie wurde kurz vor der Abreise von den chinesischen Behörden verweigert. Karl suchte eine Alternative und fand sie in Pakistan: Die Rakhiot-Wand des Nanga Parbat. Eine gigantische Schöpfung der Natur, vor der man Respekt haben muss, wenn man sie vor sich sieht. Karl hatte geahnt, welch große Herausforderung sie sein würde. In seinem letzten Bericht aus dem Baislager schrieb er am 13.Juli: „Das Beste um sicher zu gehen und Unvorhergesehenes zu verhindern, wäre natürlich vom diesem Projekt auszusteigen ... Inshallah!! (so Gott will!!)“
 

„Ich teile die Emotionen mit meinen Bergfreunden.“ (Karl Unterkircher)

 

Karl war auf den Bergen der ganzen Welt unterwegs, aber vergaß nie, wo seine Wurzeln waren. Ihm war bewusst, dassviele aus seiner Heimat zu seinem Erfolg beitrugen. Es war deshalb immer wichtig, an die Heimat auch etwas zurück zu geben.

Die Hubschrauberrettung des Aiut Alpin Dolomites wurde von den freiwilligen Bergrettern der ladinischen Dolomitentäler erdacht, ihr Leitmotiv war die Solidarität gegenüber Menschen in Not. 1990 wurde sie offiziell gegründet, davor hatten die ehrenamtlichen Helfer schon drei Jahre lang in der Rettung gearbeitet. Karl Unterkricher war seit 2005 ihr Präsident. Man schätzte seine Erfahrung, Kompetenz und Menschlichkeit.
 
Aber auch in der Gesellschaft seiner Bergkameraden, der berüchtigten Klettergilde Catores aus St. Ulrich, fühlte sich Karl wohl. Hier waren seine Freunde und Kletterpartner, mit ihnen rettete er unzählige Touristen aus den Wänden der Dolomiten, mit ihnen schmiedete Zukunftspläne, traf sich zum Schoppen Wein und rauchte selbstgedrehte Zigaretten. Für seine alpinen Leistungen wurde er im Dezember 2007 mit dem „Cator d’or“ (goldenes Steinhuhn) ausgezeichnet, eine ganz besondere Ehre, denn die Auszeichnung gab es nur dreimal bislang.

Als Bergprofi hatte Karl zunehmend auch mit Büroarbeit zu tun. Allein es fehlte ein geeigneter Raum. Im März 2008 schließlich stellte ihm der Tourismusverein Wolkenstein ein Büro kostenlos zur Verfügung. Hinzu kam eine finanzielle Unterstützung mit einem Dreijahres-Vertrag, koordiniert vom Landesrat für ladinische Kultur, Dr. Florian Mussner, in Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband und den Grödner Gemeinden. Aber auch das Land Südtirol stand ihm finanziell zur Seite sowie die Firma Socrep aus St.Ulrich. Gröden glaubte an Karl und wurde zu seinem Hauptsponsor. Und Karl war dafür sehr dankbar.
 

 
Das Herz von Karl, das Herz der Berge, sein Aufstieg geht weiter…
Das Leben von Karl ist zwar zu Ende, aber nicht seine Mission. Sein Aufstieg, seine Ideen, sein Geist müssen und dürfen weiterleben. Karl ist nur einen Schritt von uns entfernt! Je mehr wir an ihn denken, je mehr wir miteinander über ihn reden, umso mehr können wir ihn ehren. Die Erinnerung an Karl hält ihn lebendig und erhellt unsere Tage. Wir kennen in Karl einen bescheidenen, aber großen Alpinisten, eine starke Persönlichkeit, einen echten Freund.

 

Text von Herbert Mussner

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