Öffnen Sie ein ZeitfensterTradition & Brauchtum

Reich an Traditionen und Bräuchen

Die ladinischen Dolomitentäler sind reich an Traditionen und Bräuchen aus alter Zeit. Rund um jedes Familienereignis sowie um große christliche Feste im Kirchenjahr bildeten sich seit alter Zeit zahlreiche Bräuche mit tiefem Sinngehalt.

Am Unsinnigen Donnerstag wird traditionsgemäß die für Mittag gekochte Gerstensuppe mit Selchkarree vom Herd gestohlen, im Mai ziehen die 18-jährigen Burschen mit einem weißen Hemd, einer blauen Schürze und einem mit Bändern und Blumen geschmückten Hut durch das Tal, am Montag nach dem Kirchweihfest von St. Jakob (Fraktion von St. Ulrich) schenken die Burschen den Mädchen beim „Blättermarkt“ eine Birne mit Masche als Zeichen der Symphatie. Es gibt aber noch zahlreiche andere Bräuche, die es zu entdecken gilt.

Charakteristisch für Gröden sind sicherlich auch die Trachten, die zu den schönsten im gesamten Alpenraum gehören. Der Reichtum und die Einzigartigkeit derselben ist vor allem darauf zurückzuführen, dass bereits in früher Zeit aus dem Tal stammende Händler viel in der Welt herumkamen und somit die Möglichkeit hatten, neue Seidenstoffe, Bänder, Spitzen und Schmuck zu erwerben. Heutzutage wird die Grödner Tracht anlässlich von Prozessionen und hohen kirchlichen Feiertagen getragen, sowie bei Trachtenumzügen als Attraktion für die Besucher des Tales.

"Bënunì te Gherdëina!" - Willkommen in Gröden!

Wenn die Grödner unter sich sind, sprechen sie vorwiegend Ladinisch. Diese alte Sprache geht auf die Zeit der römischen Besiedlung des Alpenhauptkammes zurück und weist auffallende Ähnlichkeiten mit dem Altkastilischen, dem Provenzalischen und der katalanischen Sprache auf.

Die italienische Sprache beispielsweise ist erst einige Jahrhunderte später entstanden. Heute wird das Ladinische, einst die verbreitetste Sprache in der Alpenregion, noch in einigen Sprachinseln gesprochen: in den ladinischen Dolomitentälern von Gröden, Gadertal, Fassatal, Buchenstein und Ampezzo (überall mit besonderem Lokalkolorit), ferner im Friaul sowie im Kanton Graubünden in der Schweiz (auch hier mit wesentlichen Unterschieden zwischen einem Tal und dem anderen).

Die Ladiner gibt es seit über 2000 Jahren. Der römische Feldherr Drusus eroberte 15 v. Chr. unsere Alpenregion und aus der Fusion zwischen der altkeltischen (rätischen) Kultur mit jener der Römer entstand die neue ladinische Sprache, die sich in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt eingebürgert haben dürfte. Auch zahlreiche alte Hof-, Flur- und Ortsnamen im auch heute noch dreisprachigen Südtirol beweisen die weite Verbreitung des Ladinischen, sogar bis hinauf in das 16. oder 17. Jahrhundert: Tschars, Tartsch und Prämajur im Vinschgau sowie Tschöfas, Tanürz und Albions im Grödner Nahbereich seien hier als Beispiele genannt. Erst durch die Zeit der Völkerwanderung germanischer Stämme gewann das Deutsche die Oberhand und das Ladinische wurde in schwer zugängliche Seitentäler verdrängt.

Heute wird in den Schulen Ladinisch als Pflichtschulfach gelehrt, zudem gibt es verschiedene Publikationen in ladinischer Sprache (Bücher sowie Zeitschriften) und täglich werden Radio- und Fernsehsendungen ausgestrahlt.