Erstbesteigung des Langkofels durch Paul Grohmann

Paul Grohmann wurde am 12. Juni 1838 in Wien geboren. Er gehörte zu den bedeutendsten Alpinisten in den Sechzigern und Siebzigern des 19. Jahrhunderts. Der in einem vermögenden Elternhaus aufgewachsene Wiener besuchte im Jahr 1862 erstmals die Dolomiten. Zuvor hatte er auf zahlreichen Reisen die Schweiz, Oberitalien, die wichtigsten Städte Deutschlands und die Alpenländer Salzburg, Oberösterreich, Steiermark, Tirol und Vorarlberg kennengelernt. Berge begannen ihn aber erst 1853 bei einer Reise nach Kärnten zu interessieren. Ab 1856 war er regelmäßig im Gebirge unterwegs und bestieg zahlreiche Gipfel.

Den Dolomiten wandte er sich im Jahre 1862 zu. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, in den Bergen Höhenmessungen vorzunehmen: Die ermittelten Höhen kamen zum Teil schon recht nahe an die heutigen heran. Zwischen 1863 und 1869 führte er über 200 Messungen durch und trug hierfür stets ein Barometer bei sich. So war es auch am 13. August 1869, als Paul Grohmann zusammen mit den beiden Bergführern Franz Innerkofler und Peter Salcher von St. Ulrich aus – er logierte nämlich im dortigen Hotel „Post“ – Richtung Wolkenstein aufbrach.
Foto: 1898, Langkofel, Photo by E. Terschak

Der Langkofel galt damals aufgrund der gefährlichen Steinschläge und des großen Zeitaufwandes für den Aufstieg als unbezwingbar. Nicht jedoch für Grohmann – die gewagte Expedition glückte und wider Erwarten schaffte er es, zusammen mit Innerkofler und Salcher den Gipfel zu erreichen. Es war dies eine Sensation und eine bahnbrechende Errungenschaft: Paul Grohmann hatte einen wichtigen Teil Alpinismus-Geschichte geschrieben. Leider hatte er an diesem historischen Tag keine Kamera dabei – wohl aber stellte er nach Erreichen des Gipfels eine Fahne auf, die dort fortan im Winde wehte und die bedeutsame Erstbesteigung verkündete.

Im Jahre 1875 gab Grohmann dann die „Karte der Dolomitalpen“ und zwei Jahre später das Werk „Wanderungen in den Dolomiten“ heraus. Letzteres kann heute als erster großer Dolomiten-Führer und gleichzeitig sein Lebenswerk bezeichnet werden, welches u.a. Berichte seiner Erstbesteigungen in den Dolomiten enthält. Mit Hilfe der besten Bergführer gelangen ihm nämlich viele weitere Erstbesteigungen und zwar: Tofana di Mezzo (1863), Piz Boè in der Sellagruppe, Marmolata di Penia (beide 1864), Tofana di Fuori, Monte Cristallo (beide 1865), Dreischusterspitze und Große Zinne (alle 1869).

Auch abseits der Dolomiten gelangen ihm mehrere Erstbesteigungen. Grohmann war jedoch nicht nur ein exzellenter Bergsteiger und Autor, sondern besaß auch ein beachtliches Organisationstalent. Zusammen mit seinen Weggefährten Edmund von Mojsisovics und Guido von Sommaruga gründete er 1862 in Wien den Österreichischen Alpenverein. Grohmann wurde schon zu Lebzeiten immer wieder geehrt. So bekam der zu diesem Zeitpunkt noch nicht bezwungene 3.126 m hohe „Sasso di Levante“ in der Langkofelgruppe im Jahre 1875 den Namen „Grohmannspitze“. Es war dies eine Anerkennung für Grohmann’s Erstbesteigung des Langkofels.
Paul Grohmann durfte noch erleben, wie am 8. September 1898 von der Akademischen Sektion Wien des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins ein Gedenkstein zu seinen Ehren in St. Ulrich enthüllt wurde, der auch heute noch besichtigt werden kann. Am 29. Juli 1908 verstarb Paul Grohmann in Wien. Sein Name und seine Errungenschaften leben aber weiter und sind wichtiger Teil der Alpinismus-Geschichte im Alpenraum.

Quelle: Hans-Günter Richardi –
Die Erschließung der Dolomiten, Athesia-Verlag 2008

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