Geschichten im Tale erzählen, dass ein Wolkensteiner bereits im Jahr 1850 mehrmals versucht haben soll, den Langkofel zu besteigen. Tagelang soll er Gefangener des Bergmassivs gewesen sein, bis er am Gipfel angekommen sein und dort ein Feuer en-tzündet haben soll. Auch liest man im Jahrbuch des österreichis-chen Alpenvereins, VI. Band aus dem Jahre 1870 folgenden Satz: „Früher als Grohmann hatte Herr Waitzenbauer aus München eine Besteigung des Langkofels unter Führung des bekannten Pinggera aus Sulden und eines Enneberger Tischlers unternom-men, jedoch nach Grohmann’s Ansicht einen, wenn auch dem Culminationspunkte an Höhe nicht bedeutend nachstehenden, doch von diesem letzteren weit entfernt aufragenden Zacken erklommen.“

Wenn man der Anekdote aus dem Buch von Franz Moroder aus dem Jahre 1915 Glauben schenken möchte, so erreichten nur wenige Tage nach der Erstbesteigung von Paul Grohmann auch zwei junge Hirten den Gipfel des Langkofels. Armselig bekleidet und sogar barfuß sollen sie aufgestiegen sein: Sie wollten sich die Fahne ansehen, die neuerdings vom Langkofel wehte.

Schon seit über 100 Jahren wird der Langkofel auf touristischen Aushängeplakaten dargestellt. Bereits in den Dreißigern warb beispielsweise die Italienische Zentrale für Tourismus (ENIT) mit Bildern des Grödner Hausberges für einen Urlaub in den Dolomi-ten – für den Durchschnittsbürger blieb ein Bergaufenthalt zu jener Zeit allerdings nur ein Traum. Ebenso bildete der bekannte Küns-tler Franz J. Lenhart den Langkofel auf seinen Postern mehrfach ab. Auch auf den Plakaten zu den Bergfilmen von Luis Trenker „Der verlorene Sohn“ und „Flucht in die Dolomiten“ durfte die Abbildung des Langkofels nicht fehlen.

Trägt der Langkofel einen Hut, wird das Wetter gut. Hat der Langkofel einen Sabel, wird das Wetter miserabel.

Wer diese Wetterregel schon einmal gehört hat, wird sich bestimmt fragen, was es damit auf sich hat. Damit der Langkofel einen Wolkenhut bekommt, braucht es eine Strömung. An dem Punkt, wo die Strömung auf den Berg trifft, wird sie angehoben. Die Feuchtigkeit kondensiert zu einer Wolke aus. Hinter dem Berg geht die Strömung wieder hinab und die Feuchtigkeit trocknet ab. So entsteht ein Wolkenhut, der auf loka-ler Ebene gutes Wetter verheißt. In der Tat entsteht ein solcher Hut nämlich nur bei freundlicher und stabiler Atmosphäre. Ent-deckt man Nebel am Hang – einen Säbel also – wird das Wetter laut Wetterregel miserabel. Da der Nebel aber auch nur der Rest eines nächtlichen Hochnebels sein könnte, stimmt dieser zweite Teil der Wetterregel nicht unbedingt – somit kann auch ein Lan-gkofel mit „Sabel“ auf einen Tag voller Sonnenschein hindeuten.

Bescheiden

Die Biwakschachtel am Langkofel

Als Notunterkunft geschaffen, wurde das erste Biwak in den Dolomiten im Jahr 1935 errichtet und am 30. September dessel-ben Jahres feierlich eröffnet. Im Laufe der Jahre waren nämlich so einige Alpinisten aufgrund des langen Aufstieges und der schwierigen Orientierung gezwungen, ihre Nacht im Freien zu verbringen. Der „Giuliani-Biwak“ befindet sich unterhalb des Gipfels auf 3.100 m und bietet 3 liegenden oder 6 sitzenden Personen genügend Platz. Ausgestattet ist die Notunterkunft mit Isolationsmatratzen, Decken und einem Notfallalarm per Funk.

Sehenswert

Die Madonna an der Ostwand und weitere religiöse Symbole

In einer natürlichen Nische an der Ostwand des Langkofels hängt seit 1961 eine handgeschnitzte Madonna. Sie wurde vom Grödn-er Künstler Flavio Pancheri geschnitzt und weist die beachtliche Länge von 3,20 m auf. Die kühne Anbringung der Skulptur er-folgte durch den Künstler selbst in Zusammenarbeit mit einigen Bergführern der Gruppe „Catores“, von denen das Kunstwerk in Auftrag gegeben wurde. 1953 ließ Giuani Demetz ein Kreuz anbringen, das später vom Blitz getroffen wurde, während 2001 ein von Manfred Runggaldier in Auftrag gegebenes Kruzifix von Samuel Moroder aufgestellt wurde.

Legrima

Wo der Langkofel eisige Tränen weint

Eine Glanzleistung haben die beiden Grödner Adam Holzknecht und Hubert Moroder im Januar 2013 vollbracht. Dank ihrer bravourösen Kletterei haben die erfahrenen Bergführer und Bergretter es geschafft, eine 350 m lange Eisrinne zu bezwingen, die sogenannte „Legrima“ (Ladinisch für Träne).

Es handelt sich dabei um einen kleinen und mit einer spärlichen Eisschicht bedeckten Wasserfall an der Langkofel-Nordwand mit Ursprung am Gipfel. Das schier unmögliche Unterfangen konnte nach zweitägigen Strapazen erfolgreich abgeschlossen werden – belohnt wurden die beiden mit einer umwerfenden Aussicht und der Genugtuung, die Alpinismus-Geschichte um ein weiteres Kapitel bereichert zu haben.

Innovativ

Der Lift zur Langkofelscharte

Bereits im Jahre 1957 wurde mit dem Bau einer Aufstiegsanlage vom Sellajoch zur Langkofelscharte begonnen. Eröffnet wurde sie zwei Jahre später. Es handelte sich dabei um einen von Ing. Ciucci aus Ancona projektierten offenen Korblift für jeweils 2 Personen, der sei es im Winter als auch im Sommer in Betrieb war. 1971 wurde der Lift renoviert und die Körbe durch kleine, gelbe Gondeln ersetzt. Seit 1992 sind die Gondeln weiß. In der kalten Jahreszeit lief der Lift nur bis zur Saison 1989/90, was auf mehrere schwere Skiunfälle und die nicht zu unterschätzende Lawinengefahr zurückzuführen ist. Auch heute noch ist die Steh-gondelbahn während der Sommermonate in Funktion und stellt ein lohnenswertes Ausflugsziel dar. An der Bergstation angekom-men, eröffnet sich dem Besucher auf 2.685 m ein überwältigender Panoramaausblick auf die umliegende Bergwelt.

Dein Weg nach Gröden

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