Ein Mann, ein Wort: Diego Deiana, 1971 in St. Christina geboren, hat es sich zum Ziel gesetzt, „jede Wanderung im Grödental und in den Grödner Dolomiten zu einem unvergesslichen Erlebnis für Sie werden zu lassen“. Er ist ein geprüfter Wanderführer und kennt sich besonders gut mit Heilpflanzen aus, als Vergolder ist er zudem noch künstlerisch aktiv. Hier wie da hilft ihm die Liebe zum Detail.
Robert Fischer: Wie kommt man denn als gelernter Vergolder von der Kunst zur Natur?
Diego Deiana: Ich interessierte mich schon immer für die Natur, und heute bin ich glücklich, dass ich aus meinem Hobby einen Beruf machen konnte. Gewisse Grundkenntnisse hat man ja ohnehin, wenn man in Gröden wohnt, aber mein Interesse war groß, noch mehr von der Natur zu erfahren, und so habe ich zunächst eine botanische Ausbildung gemacht, mich dann mit dem Sammeln von Wildkräutern beschäftigt, auch mit Giftpflanzen – was sehr interessant war, weil die Giftpflanzen in der Heilmedizin ja oft die wichtigsten Pflanzen sind.
Neben der Theorie haben Sie sich also schon früh mit der praktischen Umsetzung beschäftigt?
Genau. Faszinierend finde ich, dass sich die Menschen schon vor Hunderten von Jahren, als die traditionelle Medizin, wie wir sie heute kennen, noch nicht so weit war, mit Kräutern und Pflanzen heilen konnten. Denn die Natur schenkt dem Menschen genau das, was der Körper braucht: Für die Behandlung eines Schnupfens braucht man beispielsweise Pflanzen, die sehr viele Schleimstoffe haben, für die Heilung von Wunden Gerbstoffe.
Und vermutlich lernt man auch hier nie aus?
Stimmt. In letzter Zeit besuche ich zum Beispiel auch naturpädagogische Kurse, denn ich gehe ja viel mit Kindern in die Natur, und denen muss man das Wissen schon anders vermitteln als Erwachsenen. Die Natur „live“ zu erleben ist aber letztlich für jeden interessant. Ich lass auch vieles „vom Boden kosten“: Zuerst schrecken da viele Leute ein bisschen zurück, und natürlich muss man die giftigen Pflanzen kennen; aber dann macht es doch jedem Freude, etwas vom Löwenzahn zu probieren oder im Herbst ein paar Beeren; eine Wacholderbeere direkt vom Strauch beispielsweise. Wir riechen auch gern an einem Spitzwegerich oder an einer Nadel, die wir von einem Nadelbaum gepflückt und aufgebrochen haben. Dabei ergeben sich dann auch Zusammenhänge: Wo habe ich etwas schon gerochen? Wenn ich beispielsweise von der Fichte etwas hernehme, riecht das nach Vitamin C, nach ätherischen Ölen; das erinnert an Hustenbonbons.
Wie steht es denn generell um die Artenvielfalt hier in den Bergen?
Im Alpenraum gibt es etwa 4500 verschiedene Pflanzenarten. Davon haben wir hier nicht einmal ein Zehntel, aber die Vielfalt ist immer noch enorm. Und das Interessante ist: Die Pflanzen wachsen mit der Natur mit – da gibt es welche auf 1400 Metern Höhe und andere von derselben Familie wachsen auf über 2000 Metern, an die größere Höhe angepasst. So wächst zum Beispiel hinterm Langkofel noch auf 2400 Metern Höhe ein Bergzitronenthymian, der unglaublich intensiv riecht.
Gibt es etwas in der Natur, das Sie persönlich ganz besonders fasziniert, neben den Heilpflanzen und Kräutern?
Mich fasziniert es in jedem Jahr wieder, wenn ich bemerke, dass bestimmte Pflanzen im gleichen Habitat nachwachsen. Wenn ich also zum Beispiel im letzten Herbst an einer bestimmten Stelle einen Thymian gesehen habe, und im Frühjahr wächst er genau an der gleichen Stelle wieder… Das zeigt mir doch, wie sich die Natur perfekt regeneriert.
Sein TIPP: „In jedem Frühjahr mache ich aus den jungen Trieben der Fichtenspitzen einen Fichtenhonig. Den kann man ganz einfach als Naturdelikatesse essen, aber er hilft auch bei einem Reizhusten und stärkt ganz allgemein –wegen des Vitamins C – das Immunsystem.“
Um auf die Weltnaturerbe-Liste der UNESCO zu kommen, muss ein Gebiet sehr besonders sein. Es muss einzigartige Naturwerte besitzen, intakt und durch gute Schutzmaßnahmen gesichert sein.
Wenn Du genau das erleben möchtest, dann kommen nach Gröden.