Wie 12 Männer die Geschichte des Langkofels geschrieben haben

  • Paul Grohmann (1838 – 1908) eroberte zusammen mit Franz Innerkofler und Peter Salcher im Sommer 1869 den Langkofel
  • Eduard Pichl (1872 – 1955) bestieg 1918 zusammen mit Rolf Waizer die Nordkante des Langkofels. Diese zählt heute zu den größten Klassikern der Dolomiten.
  • Emilio Comici (1901 – 1940) stammte aus Triest und eröffnete im Jahre 1940 auf dem Salamiturm gemeinsam mit Severino Casara seine letzte neue Route.
  • Oscar Schuster (1873 – 1917) gab dem bekannten Klettersteig auf der Ostwand des Plattkofels seinen Namen.
  • Angelo Dibona (1879 – 1956) war einer der gößten Bergsteiger des 20. Jahrhunderts. Mit Luigi Rizzi und den Gebrüdern Mayer durchstieg er 1911 die Langkofel-Nordwand.
  • Giovanni Demetz (1903 – 1994) bestieg den Langkofel ohne Anwendung künstlicher Hilfsmittel über 500 Mal.
  • Dieter Hasse (1933 – 1971) bestieg 1959 den Südpfeiler des Innerkofler-Turms gemeinsam mit Sepp Schrott.
  • Reinhold Messner (geb. 1944) schaffte neben der ersten Solobesteigung der „Soldà Route“ eine weitere Erstbesteigung auf der Langkofel-Nordwand zusammen mit Sepp Mayerl (1969).
  • Gustav Jahn (1879 – 1919) bewältigte als erster Alpinist die klassische Daumenkante.
  • Gino Soldà (1907 – 1989) gelangen zusammen mit Franco Bertoldi gleich vier große Erstbesteigungen am Langkofel.
  • Ludwig Moroder (1937 – 1971) schaffte gemeinsam mit Vinzenz Malsiner im Jahre 1960 die Erstbegehung der „Direttissima“ am Zahnkofel.
  • Karl Unterkircher (1970 – 2008) meisterte einige schwierige Erstbesteigungen am Langkofel.

Ivo Rabanser

Ivo Rabanser – einer der bekanntesten Alpinisten im Dolomitengebiet – wurde 1970 in Gröden geboren. Schon im zarten Alter von 12 Jahren stand er zum ersten Mal am Gipfel des Langkofels. Auf seine Ausbildung an der Kunstschule folgten mehrere Jahre Tätigkeit als Holzschnitzer, bevor er seine Lei-denschaft 2001 zum Beruf machte und seitdem als Bergführer arbeitet. Sich selbst betrachtet er als privilegiert – darf er doch als Alpinist unendlich viele Glücksmomente erleben.

  • Wie oft waren Sie bereits am Langkofel, auf wie vielen ver-schiedenen Routen waren Sie dabei unterwegs und wie viele davon haben Sie selbst eröffnet?
    Ich habe meine Besteigungen des Langkofels noch nicht nach-gezählt, es dürfte sich aber um einige handeln. Dabei interes-sierten mich besonders die Anstiege auf der Nordseite, die ja zu den längsten Klettereien der Dolomiten zählen. Ebenso galt mein Bestreben an dieser über tausend Meter hohen Nordwand eigene Linien zu eröffnen und in den dreißig Jahren sind mehrere Dutzend Routen entstanden.
  • Was fasziniert Sie am Grödner Hausberg?
    Ich kann den Langkofel mit seiner himmelhohen Nordwand von der Wohnstube aus betrachten. Zudem handelt es sich um den höchsten Gipfel hier in Gröden und um die imposanteste Felsgestalt. Zu diesen ästhetischen Reizen summiert sich die außerordentlich spannende Alpingeschichte des Langkofels. Diese Vorrausetzungen wirken nach wie vor eine große Faszi-nation auf mich aus.
  • Sie haben mehrere Bücher geschrieben, darunter „Sasso-lungo. Dolomiti fra Gardena e Fassa“ aus der Reihe „Guida dei Monti d’Italia“ (herausgegeben von CAI und Touring Club Italiano, 2001) und “Sassolungo. Le imprese e gli alpinisti” (Verlag Zanichelli, 2003). Was hat Sie dazu bewegt, sich mit dem Langkofel so intensiv auseinanderzusetzen?
    Zum einen rein praktische Gründe, den Berg hier vor der Haustür zu haben, zum anderen der Reiz ein Gebirgsmassiv tiefgründig zu erforschen und zu studieren. Zum Interesse an den Klettereien, die mich von Jugend an begeisterten, gesellte sich die Freude des Schreibens und dadurch der Versuch ge-schichtliche Gegebenheiten festzuhalten. Das eine kompensiert das andere auf hervorragender Weise!
  • Sie haben den Langkofel nun schon unzählige Male er-klommen. Was fühlen Sie, wenn Sie am Gipfel stehen? Kann man sich an das überwältigende Gefühl, ganz oben zu stehen, jemals gewöhnen?
    Der Gipfel bildet lediglich den Abschluss des Aufstieges. Und es wartet ein langer und aufwendiger Abstieg in wildzer-rissener Felswildnis. Besonders wach ist die Erinnerung an die Gipfelstimmung, die ich mit meinem elfjährigen Sohn erleben durfte: Nachdem wir am Abend den höchsten Punkt erreicht hatten, genossen wir den Sonnenuntergang um anschließend in der Biwakschachtel zu übernachten.
  • Welche Eigenschaften charakterisieren den Langkofel und gibt es Parallelen zu Ihrem persönlichen Charakter?
    Das ist eine gute Frage: Die Eigenschaften des Langkofels lassen sich in nachhaltiger Großzügigkeit und selbstbewusster Überlegenheit zusammenfassen. Ob man dies auch von einem menschlichen Charakter verlangen kann?

Mauro Bernardi

Mauro Bernardi wurde 1957 in Wolkenstein geboren und be-gann seine sportliche Karriere zunächst als Skirennläufer der italienischen Nationalmannschaft, wo er beachtliche Erfolge erzielte. Seit seinem Rücktritt im Jahre 1981 arbeitet er als Skilehrer und Bergführer, ist einer der bekanntesten Alpinisten im Dolomitengebiet, erklimmt zahlreiche Berge und eröffnet neue Routen. Das Leben in gesunder Harmonie mit der Natur fasziniert ihn – der Geist des Menschen wird durch die Welt der Berge, der Felsen und des Kletterns fühlbar befreit.

  • Wie würden Sie den Langkofel in 3 Worten beschreiben?
    Einzigartig – majestätisch – unvergleichlich.
  • Wie oft waren Sie schon am Langkofel und wie viele Routen haben Sie selbst eröffnet?
    Ich zähle nicht gerne, wie oft ich bereits am Gipfel des Langko-fels gestanden habe. Jede Besteigung ist für mich großartig, jedes Mal ist es eine Freude. Ich habe 25 neue Routen eröffnet und bin außerdem mit Skiern vom Hauptgipfel über zwei verschiedene Rinnen abgefahren – beide Male handelte es sich um Premieren.
  • Warum werden Sie nie müde, den Langkofel zu erklimmen?
    Aufgrund der spektakulären Landschaft und des atemberaubenden Panoramas.
  • Sie sind Bergführer aus Leidenschaft und bezeichnen die Dolomiten als die schönsten Berge der Welt. Warum?
    Schon als Kind haben mich die Dolomiten fasziniert, vielleicht weil ich neugierig war und sie in ihrer Gesamtheit verstehen wollte. Das Bergsteigen und der Alpinismus stellen für mich außerdem in vielerlei Hinsicht wunderbare Sportarten dar. Ich bezeichne die Dolomiten deswegen als die schönsten Berge der Welt, weil ich auch alle anderen Bergmassive kenne. Die Aner-kennung durch die UNESCO hätte schon viel früher erfolgen müssen.
  • Sie haben fünf Dolomiten-Kletterführer veröffentlicht. Bezeichnen Sie sich eher als schreibenden Bergsteiger oder als bergsteigenden Schriftsteller?
    Ich selbst bezeichne mich als Bergführer und Alpinist. Durch die Veröffentlichung der Dolomiten-Kletterführer wollte ich mein Wissen allen Interessierten zur Verfügung stellen. Da ich keine andere Wahl hatte, hat es sich einfach so ergeben, dass ich auch zum „Schriftsteller“ geworden bin.

Dein Weg nach Gröden

Ihr Urlaubsziel im Herzen der Dolomiten, so kommen Sie ans Ziel